Die Poesie der Mülltonne

Sascha Fersch und Ferdinand Schmidt-Modrow in Bestform

"Mülltonnen sind in der Poesie völlig unterrepräsentiert!" Grund genug für Lebemann und Poet, Sascha Fersch, ein Gedicht für diese wichtige Randgruppe zu schreiben. Und gleich noch eine Petition zu starten: "2 Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr für Mülltonnen - minimum". Man könne sie ja mit in den Urlaub nehmen, bemerkte eine Zuhörerin, statt Rollkoffer... Rollen haben sie ja eh. So witzig und spritzig leiteten die beiden Künstler ihre Gedichte und Lieder ein und animierten dabei schlagfertig das Publikum zum Mitmachen. Super sympathisch! Dabei sind die Gedichte und Songs an sich schon einzigartig. Lakonisch kurz, mit ungewöhnlichem Blick auf die Welt. So wissen wir jetzt endlich, dass sich Ehen in drei Lebens- und Liebesabschnitte einteilen lassen, und warum Krähenvögel ihre weißen Hinterlassenschaften bevorzugt auf schwarzen SUV's platzieren. Überhaupt zeigten Sascha Fersch und Ferdinand Schmidt-Modrow mit ihren liebevoll vorgetragenen Tiergedichten, dass sie große Tierfreunde sind. Katzen haben es letzterem besonders angetan. Ferdinand Schmidt-Modrow war es dann auch, der verkleidet mit einem weißen Overall in einem schauspielerischen Monolog der Eintagsfliege ein Denkmal setzte. Sie hat schließlich nur einen einzigen Tag, um ihre Lebensaufgabe zu erfüllen: sich fortzupflanzen. "Also, verlieren sie keine Zeit,...machen Sie Liebe,... jetzt,..., hier,... egal mit wem,...ich dreh mich auch um...!" Zum Brüllen, auch wenn diese Aufforderung vom Publikum dann doch nicht umgesetzt wurde. Zumindest nicht während der fulminanten Veranstaltung, der letzten in der Lesbar im Frühjahr 2019.

Wir sind jedenfalls sicher, dass dieses geniale Duo keine Eintagsfliege bleiben wird. 

 

Eine runde Sache

Katja Huber beeindruckt mit ihrer Lesung und mit viel Musik

Katja Huber links eingerahmt von Martin Lickleder (Geige, Mundharmonika, Gesang) und

Claudia Kaiser (Gitarre, Gesang) überraschte die Zuschauer in der Lesbar mit einem kurzweiligen und abwechslungsreichen Programm. Nach der kurzen Vorstellung des Trios durch Susanne Barnsteiner-Bosch las die aus Weilheim stammende Autorin aus ihrem neuesten Roman, "Unterm Nussbaum". Der spielt am Ammersee in einem idyllischen Garten, mal heute, mal in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dort trifft sich die Großfamilie, um den 70. Geburtstag von Barbara Berger zu feiern. Harmonisch bleibt es nur solange, bis die Frage auftaucht, wer die Jubilarin denn vom Flughafen abholen soll. Tochter Franziska rettet die Situation mit einem Geburtstagsgedicht, ihrem Geschenk an Barbara. Katja Huber rappte das mit abgefahrenen Wortspielen gespickte Gedicht in zungenbrecherischer  Geschwindigkeit über das staunende Auditorium, eine Performance in Hochform. Die nötige Verschnaufpause für Autorin und Publikum vor dem nächsten Kapitel verschaffte das Musik-Duo Kaiser Lickleder. Die ausgewählten ungewöhnlichen Songs passten zur Epoche, in der das jeweilige Kapitel spielt, das die Autorin in der Folge las. So ergab sich ein spannender Wechsel zwischen heute und damals. Textlich und musikalisch abgestimmt, immer super gesungen und gespielt, immer nah am Thema. Die im Raum stehende Mutmaßung, ob denn ein wahrer Kern in ihrem Roman stecke, beantwortete die Autorin sybillinisch: "Ja, es gibt tatsächlich Nussbäume am Ammersee".

 

Es war einmal....am 1.2.19: Märchen und Musik aus Island

Von Prinzen und Prinzessinen, von Vulkanausbrüchen und liebestollen Trollen

Mit feenhaft weißem Haar und farbenfroh wallendem Gewand scheint Maria Schuhmacher selbst einem ihrer Märchen entsprungen. Die Märchenerzählerin kennt viele zauberhafte Geschichten über Königssöhne, Prinzessinnen und böse Mächte, die allerlei Flüche über ihre Mitmenschen legen. So z.B. über die wunderschöne Prinzessin, die als rollender blutender Rindermagen unterwegs ist und nur durch Heirat von diesem Fluch erlöst werden kann. Schwierig, fast unmöglich sollte man meinen. Aber zur großen Belustigung des Publikums in der ausverkauften Lesbar hat's dann eben doch noch geklappt. Oder das Märchen vom dicken Trollmann, der hässlichen Trollfrau und ihren 8 Trollkindern, das ganz besonders gut bei den zahlreich anwesenden Kindern ankam. Immer wenn die Trollfrau ihre Höhle aufräumt oder kocht oder mit ihrem Trollmann schmust, dann gibt's eine Gerölllawine, einen Vulkanausbruch oder ein Erdbeben. Logisch. Aber zum Glück passiert das ja nur alle 100 Jahre. Zum Verschnaufen spielte die Weilheimer Musikpädagogin Christiane Winkler nach jedem Märchen eine isländische Melodie auf dem E-Piano. Sehr gefühlvoll, balladenhaft und irgendwie passend zu der endlosen Weite und ungezähmten Natur im hohen Norden. Märchenhaft!

Und wenn sie nicht...

 

Thomas Raab zündet ein Feuerwerk an Witz und Charme

Kabarettistische Lesung mit einem Schuss Wiener Schmäh

Auf den Mund gefallen ist Thomas Raab sicher nicht. Davon konnten sich die 50 Zuhörer und Zuhörerinnen am 30. Januar in der ausverkauften Lesbar überzeugen. Eigentlich mag er Witze ja gar nicht, bekannte der erfolgreiche österreichische Krimiautor  gleich zu Beginn seines furiosen Programms. Aber dann feuerte er doch eine Salve nach der anderen zur großen Freude des Publikums. "Kommt ein Neutron in die Disco...Pech. Nur für geladene Gäste." Ob private Anekdoten wie dieser Witz seiner ältesten Tochter, oder Klischeehaftes aus Österreich, wie "M ist das beliebteste Autokennzeichen in Österreich. Nicht M wie München, sondern ein Wiener, der auf dem Dach liegt"....Raabs Programm war Kabarett pur, mit viel hintersinnigem Wortwitz. Ein bisschen sieht er ja sogar aus wie Dieter Nuhr, wie eine begeisterte Zuhörerin am Ende feststellte. Zur Erholung der Lachmuskeln las Thomas Raab immer wieder Passagen aus seinem aktuellen Krimi, "Walter muss weg" und hatte selbst Spaß dabei. Als die Weilheimer Kirchturmuhr genau dann zu schlagen begann, als Walter's Sarg in die Grube gesenkt wurde, entfuhr im ein spontanes "Amen!" Nein, auf den Mund gefallen ist Thomas Raab ganz sicher nicht. Am Ende hatte er sogar ein charmantes Kompliment für das Lesbar-Team bereit: "Das Publikum kommt nie wegen eines Autors zu einer Lesung, sondern wegen der Veranstalter und der von ihnen erzeugten Atmosphäre". Sprach's und schrieb's sinngemäß auch noch ins Gästebuch. Das freut uns natürlich und wir sagen herzlich: "Dankeschön!"