Japan ganz nah: Dr. Katja Cassing und ihr Cass-Verlag

Cass. Ein ungewöhnlicher Verlag mit einem besonderen Programm

 

Eine geradezu familiäre Wohnzimmeratmosphäre herrschte in der Lesbar, als Katja Cassing ihren Verlag präsentierte. Die promovierte Japanologin hatte ihren Mann, Dr. Jürgen Stalph, mitgebracht, ebenfalls Japanologe und Übersetzer des bekannten Erfolgsautors, Murakami Haruki . Beide lebten jahrelang in Japan, sprechen fließend Japanisch und verfügen über fundiertes Wissen über dieses ferne, uns fremde Land. Und das teilten sie gerne mit dem interessierten Publikum. Munter drauf los plaudernd erzählte Katja Cassing wie sie ihren Verlag gründete, wie liebevoll und hochwertig die Bücher gestaltet sind und dass bei max. 4 Neuerscheinungen pro Jahr mit einer Auflagenhöhe von jeweils 1500 Exemplaren sehr viel persönliches Engagement und wenig Profitdenken unabdingbar sind. "Wir sind nur zu zweit", ohne Brotjob ginge so etwas nicht. Dass sie für Japan und ihren Verlag brennt, war offensichtlich. Stolz stellte sie einige wunderschön aufgemachte Bücher des Cass-Verlags vor und machte Lust, sich mit Japan und Japanischer Literatur näher auseinanderzusetzen. Fragen aus dem Publikum wurden kompetent beantwortet, etwa zur (nicht vorhandenen) Sprachverwandtschaft von Chinesisch und Japanisch oder der unterschiedlichen Physiognomie von Japanern, Koreanern und Chinesen. "Fast unmöglich zu erkennen, wer aus welchem Land kommt. Uns erkennt man dagegen sofort. Wir Deutschen, sogenannte Langnasen, sind sehr beliebt in Japan. Das liegt daran, dass wir im 2. Weltkrieg auf derselben Seite standen." Verwunderung im Publikum, Japan ist halt doch ein fernes fremdes Land. Vielleicht müsste man mal hinfliegen. Sind ja nur 12 Stunden.

 

Krimizeit mit Elisabeth Herrmann

Ein kurzweiliger Abend für die Fangemeinde

 

Elisabeth Herrmann ist vielleicht die bekannteste Deutsche Krimiautorin. Sie wurde mit Preisen überhäuft, viele ihrer Romane wurden sehr erfolgreich für das Fernsehen verfilmt. Kein Wunder also, dass die meisten Zuhörer nicht nur ihre Bücher kannten, sondern auch die Fernsehfilme. Namen wie Jan Josef Liefers oder Anna Loos fielen, als die Autorin launig von ihren Filmprojekten erzählte. Zustimmendes Nicken und bestätigendes Raunen signalisierten allseits fundiertes TV-Insiderwissen. Elisabeth Herrmann ist eine Autorin, die es geschafft hat. Dabei waren ihre Anfänge als Schriftstellerin keineswegs leicht. Ihr allererstes Buch musste sie an 50 Verlage schicken, bis endlich ein kleiner Verlag anbiss und sie durch das Wunder der Mund-zu-Mund-Propaganda ihren ersten Erfolg landen konnte. 

Die Lesung startete sie mit dem Schlusskapitel aus "Zeugin der Toten", dem ersten von drei Romanen um die Tatortreinigerin, Judith Kepler, einer Textpassage mit Schüssen, einem platzenden Aquarium, zappelnden Fischen und viel Blut. Das volle Programm, ein Krimi eben. Weiter ging's mit einem Kapitel aus dem zweiten Teil der Trilogie, "Stimme der Toten". Ein eher sozialkritischer Krimi, in dem u.a. Wirtschaftskriminalität, Alkoholismus und Rechtsradikalismus thematisiert werden. "Der dritte Teil der Trilogie ist gerade im entstehen, im August soll er erscheinen", verriet die Autorin locker plaudernd im Anschluss. "Darin wird es um Waffenlieferungen in die Ukraine gehen". Grund genug für sie, nach Odessa zu reisen, um sich dort weitere Inspirationen aus erster Hand zu holen. Wie der Roman ausgeht weiß sie schon, aber noch nicht, wie die Geschichte sich dorthin entwickelt. Sie mag's halt spannend.