Lesetipps für Erwachsene - Teil 1

Burghart Klaußner, „Vor dem Anfang“ 

ISBN 978-3-462-05196-4, Kiepenheuer&Witsch, 176 Seiten, 16,99 Euro

 

Das bemerkenswerte Debüt des bekannten Schauspielers („Die fetten Jahre sind vorbei“,…).

 

Berlin im April 1945. Unmittelbar vor Kriegsende. ‚Der Russe‘ steht schon vor Wannsee. Fritz und Schultz konnten sich bisher wegducken, aber jetzt trifft es die beiden doch noch. Das Chaos der letzten Stunden saugt sie auf…

 

Dramatisch und doch irgendwie hoffnungsvoll. Mit einem Schuss Humor trotz allem. 

 

Olivier Guez, „Das Verschwinden des Josef Mengele“ 

ISBN 978-3-351-03728-4,Aufbau-Verlag, 224 Seiten, 20,- Euro

 

Ein Tatsachenroman, eine exzellente Mischung aus Fiktion und Biographie.

 

Josef Mengele, bekannt als Todesengel von Auschwitz, ist einer der meistgesuchten Naziverbrecher in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1949 flieht er nach Argentinien. Dort trifft er auf ein gut organisiertes Netzwerk anderer Nazis, die sich gegenseitig helfen und ihren Hitler- und Rassenkult weiter pflegen. Von Reue keine Spur. Großzügig unterstützt von Präsident Peron und dem Ulmer Familien-Clan führt Mengele ein unbeschwertes und komfortables Leben. Als Eichmann vom Israelischen Geheimdienst entführt wird, muss Mengele untertauchen. Sein Niedergang beginnt… 

 

Glänzend recherchierter Politthriller. Spannend und doch schonungslos erzählt bis zur letzten Seite.

 

Juli Zeh, „Neujahr“ 

 ISBN: 978-3-630-87572-9, Luchterhand, 186 Seiten, 20,- Euro     

 

Ein weiteres Meisterstück der vielfach preisgekrönten Erfolgsautorin.

 

Lanzarote. Neujahr. Familienvater Henning macht eine Radtour, um sein Leben mit neuen Vorsätzen etwas besser zu ordnen, das geprägt ist von Perspektivlosigkeit und zunehmenden Panikattacken. Anspruchsvoll und steil, sehr steil geht es hinauf auf einen Pass, auf dem ein kleines Dorf thront. Dort durchzuckt ihn ein Erinnerungsblitz. Er war schon mal hier im Urlaub mit seinen Eltern, genau hier, vor vielen Jahren.

Bis hierher ist „Neujahr“ schon mal ein sehr guter Roman. Aber dann geht’s erst richtig los:

Der vierjährige Henning und seine kleine Schwester erleben einen traumatischen Urlaub allein in einem Haus oberhalb des Dorfes. Die Eltern sind weg. Lange. Sehr lange. Henning muss sich um die Zweijährige kümmern. Angst, Chaos,…

 

 

Dieser Roman ist der Hammer! Juli Zeh beschreibt das Unbeschreibliche aus Sicht des kleinen Jungen. 

 

Michael Ondaatje, „Kriegslicht“ 

ISBN 978-3-446-25999-7, Hanser Verlag, 320 Seiten, 24,- Euro 

 

Der neueste Wurf des Autors von „Der Englische Patient“.

 

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verreisen die Eltern von Nataniel und Rachel auf unbestimmte Zeit. Sie lassen die beiden Jugendlichen in der Obhut von seltsam skurrilen Menschen. Allen voran „der Falter“ und „der Boxer“. Die Zeit vergeht, kein Lebenszeichen der Eltern. Dann findet Rachel im Keller den Überseekoffer der Mutter, mit all den Kleidern, die diese auf ihre Reise mitnehmen wollte…

Jahre später beginnt Nathaniel das geheimnisvolle Leben seiner Eltern in Zeiten des Kalten Krieges aufzuarbeiten. 

 

Spannend, auch wenn die Geschichte etwas konstruiert wirkt.

 

Sylvie Schenk, „Eine gewöhnliche Familie“ 

ISBN 978-3-446-25996-6, Hanser Verlag, 160 Seiten, 18,- Euro

  

Der nächste mitreißende Roman der seit über 50 Jahren in Deutschland lebenden Französin.

 

Wie bereits in ihrem Band „Schnell , Dein Leben“ (Goldmann Taschenbuch, 9,- €), in dem die Autorin aus biographischen Erinnerungssteinchen ein beeindruckendes Mosaik der Nachkriegszeit in Deutschland – und zwar aus der Sicht einer jungen Französin - gestaltet hat, werden auch in diesem neuen Bändchen kurze Erinnerungstücke zu etwas Großem zusammengefügt.

Diesmal ist der Ausgangspunkt eine Beerdigung, die Erbstreitigkeiten auslöst. Man könnte meinen wie einfallslos! Aber Sylvie Schenk versteht mit wenig Worten und einem ganz eigenen Sprachmodus eine Familie mit all ihren Facetten, Abgründen und Liebenswürdigkeiten spannend zu beschreiben.

  

Absolut lesenswert und kein bisschen einfallslos!

 

Maike Wetzel, „Elly“ 

ISBN: 978-3-89561-286-2, Schöffling & Co., 152 Seiten, 20,- Euro

 

Ein Romandebüt, das es in sich hat!

 

Die elfjährige Elly ist verschwunden. Spurlos. Die Eltern und ihre ältere Schwester versuchen irgendwie weiterzumachen. Jedes Familienmitglied trauert und hofft aus eigene Weise. Loslassen ist unmöglich, Elly bleibt allgegenwärtig. Die Sehnsucht nach Elly und nach dem Familienglück, wie es früher einmal war, wird übermächtig und verdrängt die Realität…

 

 Brillant konstruierte Geschichte, ungemein fesselnd erzählt.

 

Gerhard Jäger, „All die Nacht über uns“

 

ISBN 978-3-711-72064-1, Picus Verlag Wien, 240 Seiten, 22,- Euro

 

Ein Soldat, 12 Stunden Wachdienst, jede Stunde ein Kapitel.

Ein namenloser Soldat auf einem Wachturm an einer nicht definierten Grenze. Er soll sein Land vor illegalen Einwanderern beschützen. Mit dabei sein Gewehr, ein Bild seines tödlich verunglückten Jungen und das Tagebuch seiner Großmutter, in dem sie ihre Flucht im Frühjahr 1945 vor der anrückenden Roten Armee schildert. Es ist eine lange Nacht mit 12 endlos langen Stunden. Viel Zeit für den Soldaten und seine Flucht vor den Bildern der Vergangenheit und der Gegenwart…

 

Die Chronik einer Nacht, die Chronik eines Lebens. Bestechend und voller Poesie.

 

Mareike Fallwickl, „Dunkelgrün fast Schwarz“

ISBN 9783627002480, Frankfurter Verlagsanstalt, 480 Seiten, 24,-  Euro

 

Ein Debüt, das es in sich hat. Unbedingt lesen!

 

Raffael und Moritz sind seit Kindestagen eng befreundet. Raffael gibt vor, Moritz gibt nach. Moritz‘ Mutter erkennt die Gefahr, die von Raffael für ihren Sohn ausgeht. Als eines Tages Johanna neu in die Schule kommt, entwickelt sich die Jungenfreundschaft zu einer fatalen Dreiecksgeschichte. 16 Jahre später schlägt das Schicksal zu…

  

Ein Roman über die Freundschaft, leidenschaftlich, grausam und voller Liebe.

 

Herman Koch, „Der Graben“ 

ISBN 978-3-462-05082-0,Kiepenheuer & Witsch, 306 Seiten, 20,- Euro    

 

Unterhaltsame Urlaubslektüre des Holländischen Erfolgsautors.

 

Robert Walter ist nicht Irgendwer. Er ist der erfolgsverwöhnte und selbstverliebte Oberbürgermeister von Amsterdam. Er führt ein privilegiertes sorgloses Leben zusammen mit seiner Frau Sylvia und Tochter Diana. Scheinbar perfekt. Wäre da nicht dieser klitzekleine Zweifel. Hat seine geliebte Sylvia etwa eine heimliche Affäre mit einem seiner Untergebenen? Nein, das kann nicht sein, oder doch? Er stellt Nachforschungen an und der Zweifel wird übermächtig… 

 

Politisch, psychologisch bittersüß und rabenschwarz. Herman Koch in Höchstform.

 

Éric Vuillard, „Die Tagesordnung“

ISBN 978-3-95757-576-0, Matthes und Seitz, 130 Seiten, 18,- Euro     

 

2017 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete historische Erzählung über den Beginn des 2. Weltkriegs.

 

24 Männer, 24 Silhouetten des Deutschen Kapitalismus: Krupp, Quandt, Flick,….die meisten der 24 Namen sind auch heute noch ein Synonym für Geld und Macht. Ihr geheimes Treffen auf Einladung Hermann Görings am 20.02.1933 bildet den Anfang dieser Erzählung und nach Ansicht des Autors den Anfang des Siegeszugs des Nationalsozialismus. Diese 24 spendeten Geld für die unvergleichliche Nazi-Propaganda Maschinerie. 5 Jahre danach begann mit dem „Anschluss“ Österreichs eines der schwärzesten Kapitel der Geschichte… 

 

Ein höchst aufschlussreiches Buch, das trotz seiner Kürze die aus Schulbüchern bekannte Geschichte stilistisch grandios neu erzählt. Ein Buch, das angesichts der aktuellen Diesel- und Datenklau-Skandale zur Erkenntnis beiträgt, dass sich seither zwar vieles geändert hat, manches aber auch nicht.

 

Céline Minard, „Das große Spiel“

ISBN 978-3-95757-526-5, Matthes & Seitz, 192 Seiten, 20,- Euro

 

 Philosophisch, surreal, rätselhaft. Ein literarisches Kleinod.

 

Eine Frau allein in den Bergen. Sie hat sich auf knapp 2000 Metern eine Wohnröhre bauen lassen. Mit dem allernötigsten ausgestattet startet sie ein neues Leben in völliger Abgeschiedenheit. Sie legt einen Gemüsegarten an und schafft sich voller Elan allmählich ihr eigenes kleines Reich. Bald schon fühlt sie sich als Teil von Flora und Fauna und beginnt die Umgebung zu erkunden. Da tritt etwas in Ihr Leben, völlig unerwartet und grotesk: ein Tier, ein Mensch? Wer auch immer der Eindringling ist, es beginnt ein Spiel, das Spiel des Lebens, das man nicht alleine spielen kann…

  

Großartig!  

 

Bergsveinn Birgisson, „Die Landschaft hat immer Recht“

ISBN 978-3-7017-1695-1, Residenz Verlag, 288 Seiten, 22,- Euro 

 

 

Zugegeben, der Buchtitel ist nicht gerade attraktiv. Aber keine Sorge, dieser Roman ist ebenfalls ein literarisches Kleinod. Diesmal aus dem äußersten Nordwesten Islands.

 

Die Küstenfischer im Geirmundarfjördur führen ein einsames und hartes Leben. Einer von ihnen, Halldor, führt Tagebuch immer dann, wenn die Boote wetterbedingt im Hafen bleiben müssen.

Seine Berichte über alltägliche Begebenheiten und seine philosophischen Gedanken schaffen ein eindrückliches Bild von der wilden Schönheit der Natur am Ende der Welt und der verletzlichen Seele der Fjord-Bewohner. Halldors Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und der Verlust seines Großonkels Gusi führen ihn an den Rand des Wahnsinns. Nur einer kann ihn retten und ihm den Weg zu seiner großen Liebe zeigen…

 

 

Ein humorvoll-melancholisches Buch voller Magie. Unbedingt empfehlenswert für Nordlandfahrer und –fans.   

 

Franz Hohler, „Das Päckchen“ 

ISBN 978-3-630-87559-0, Luchterhand Verlag, 224 Seiten, 20,- Euro

 

Was für ein schöner Roman!

 

Die eine Geschichte: Ernst kommt auf höchst seltsame Weise in den Besitz eines uralten außergewöhnlichen Buches. Das „Abrogans“ aus der Zeit Karls des Großen, eine Art Wörterbuch für Latein und Althochdeutsch. Auf der Suche nach der Herkunft des Sensationsfundes verstrickt er sich in ein gefährliches Lügennetz.

Die andere Geschichte: der junge Benediktinermönch Haimo schreibt gegen Ende des 8. Jahrhunderts im Auftrag seines Abtes ein Buch mit Lateinischen Wörtern und deren Deutsche Bedeutung. Das soll er in verschiedene Klöster Europas bringen, um es dort kopieren zu lassen und im Gegenzug selbst Werke aus deren Bibliotheken zu kopieren…

  

Zwei perfekt miteinander verwobene Geschichten, leise erzählt und ungemein spannend.

 

Jakob Hein, „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“

ISBN 978-3-86971-172-0, Galiani Verlag Berlin, 256 Seiten, 18,- Euro

 

Eine verrückte Geschichte, eine wahre Geschichte.

 

Im 1. Weltkrieg macht sich Leutnant Edgar Stern mit einer Truppe muslimischer Kriegsgefangener auf die abenteuerliche und höchst gefährliche Reise nach Konstantinopel, um dort den Djehad zu entfachen. Der geplante Aufstand aller Muslime weltweit soll das Deutsche Kaiserreich in seinem Krieg gegen Russland Frankreich und England unterstützen. Auf ihrem langen Weg durch Feindesland gibt sich die Gruppe als Wanderzirkus aus. Ein ebenso verrückter wie tollkühner Plan mitten im Krieg… 

 

Ein historischer Roman, der das groteske Treiben menschlichen Handelns trotz aller Tragik witzig und humorvoll beschreibt und dabei hochaktuell ist.

 

Janet Lewis, "Die Frau, die liebte"

ISBN 978-3-423-28155-3,  dtv, 136 Seiten, 18,- Euro

 

Immer wieder tauchen Autoren aus vergangenen Zeiten auf, die vergessen zu sein schienen - und die wir nun mit großer Begeisterung „neu“ entdecken können.

 

So die Autorin Janet Lewis (1899-1998), die als überzeugte Kriegsgegnerin und Fürsprecherin für Indianer und Schwarze auftrat, und sich in diesem Buch einem realen Rechtsfall in Frankreich im 16. Jahrhundert annimmt. Spannend!

 

 

Nach jahrelanger, etwas rätselhafter Abwesenheit ihres Mannes ist die inzwischen 30jährige Bertrande de Rols einfach nur glücklich, den Vater des gemeinsamen Sohnes in ihre Arme schließen zu können. Überhaupt scheint mit der freudigen Rückkehr dem ganzen Anwesen und seinen Bewohnern neues Leben eingehaucht zu sein. Doch dann beschleichen die Frau Zweifel, ob dieser Martin Guerre wirklich ihr gesetzlich angetrauter Ehemann ist. Ein schmales Buch über die Zerrissenheit einer jungen Frau, die für ihr Recht bis zum Äußersten geht.

 

Milena Michiko Flašar, „Herr Katō spielt Familie“  

ISBN 978-3-8031-3292-5, Wagenbach, 176 Seiten, 20,- Euro

 

Über den Versuch eines späten Neuanfangs.

 

Herr Katō ist pensioniert und hat viel freie Zeit. Er hat Listen mit Dingen, die er schon immer einmal erledigen wollte, er hat Reisepläne für seine Frau und sich, und der Arzt bestätigt ihm, dass er gesund ist. Doch Herr Katō weiss mit sich und seiner Umwelt nichts anzufangen. Daher lässt er sich – wenn auch zögerlich – auf das Jobangebot der jungen Mie ein. Die Firma HAPPY FAMILIE bietet ihren Kunden Familienmitglieder, Chefs, Freunde, heimliche Geliebte für ein paar Stunden an. Und so mimt Herr Katō einmal den Großvater, dann den eine Lobeshymne singenden Chef, aber auch den Ehemann, der endlich einmal seiner Frau zuhört. Herr Katō geht in seinen Rollen auf. Als Mie plötzlich die Arbeit für beendet erklärt, muss Herr Katō versuchen außerhalb der Scheinwelt seinen Weg zu finden.

 

 

Nach „Ich nannte ihn Krawatte“ wieder ein Roman der österreichischen Autorin mit japanischen Wurzeln, der das Leben der Hauptfigur in ein ganz eigenes, sanftes Licht taucht. Wunderbar!

 

Jan Böttcher, "Das Kaff"

ISBN 978-3-351-03716-1, Aufbau Verlag, 269 Seiten, 20,- Euro

 

„Das Kaff“ thematisiert auf sehr unterhaltsame Weise die kulturelle Kluft zwischen Stadt-und Landleben.

 

Der Architekt Michael Schürtz muss für ein Bauprojekt aus der Großstadt zurück in das norddeutsche Kaff seiner Jugend. Dort trifft er auf alte Bekannte und auf alte Begebenheiten und Geschichten. Kindheits- und Jugenderinnerungen führen ihn auf den Weg zu seinem inneren Ich. Er erkennt, dass das Kaff immer ein Teil von ihm war und er einfach dazu gehört. 

 

Entwurzelung und Heimkehr. Ein witziges Lesevergnügen mit einem Schuss Wehmut, leicht und locker erzählt.

 

Daniel Kehlmann, "Tyll"

ISBN 978-3-498-03567-9, rowohlt, 480 Seiten, 22,95 Euro

 

„Tyll“ ist einfach großartig.

 

Auf jeder Seite dieses farbenfrohen Romangemäldes pulsiert das Leben. In der aus den Fugen geratenen Welt des 30jährigen Krieges spielt dieser opulente Roman über den provokanten Gaukler, Tyll Ulenspiegel, der während seiner Reise durch das kriesgebeutelte Land auf ganz unterschiedliche Menschen trifft. Kleine Leute und vermeintlich Große kommen zu Wort. So entfaltet sich ein gewaltiges Epos, ungewöhnlich und von beeindruckender Intensität.

 

Daniel Kehlmann ist ein Phänomen. Er schreibt sich von Erfolg zu Erfolg. „Tyll“ ist sein Meisterwerk. 

 

David Szalay, "Was ein Mann ist"

ISBN 978-3-446-25824-2, Hanser Verlag, 512 Seiten, 24,- Euro

 

April bis Dezember, neun Männer, neun Leben

In neun Kurzgeschichten beschreibt der Autor neun Lebensstationen von Männern. Spezielle Männer, aber doch typisch ihre jeweilige Lebenssituation. Pubertierende Jugendliche, die intensive Sturm- und Drang-Zeit, Familiengründung, Karriere, Etablierung, Midlife Crisis, das einsame Rentner-Dasein, nichts lässt David Szalay aus. Jedes Kapitel, jeder Monat gehört einem Mann und seiner Geschichte. Und alle zusammen ergeben ein klares Bild davon, „was ein Mann ist“.

 

Interessant: auch sprachlich passt der Autor die einzelnen Kapitel den Lebensphasen an. Für beide Geschlechter leichtfüßig zu lesen und für selbstreflektierende Männer mit hohem Wiedererkennungswert.

 

Ameera Patel, "Outside the lines"

ISBN 978-3-7795-0577-8, Peter Hammer Verlag, 264 Seiten, 24,- Euro

 

Packendes südafrikanisches Familiendrama!

 

Seit dem Tod von Franks Frau bricht das Familienleben der gut situierten Josephs auseinander. Tochter Cathleen treibt sich am liebsten in Bars rum, auf der Suche nach Koks. Sohn James taucht daheim nur auf, um seinen Hunger zu stillen und am Computer abzuhängen. Und Frank kämpft mit seinem Alkoholproblem und seiner Arbeitslosigkeit, von der niemand weiß. Auch die warmherzige Haushälterin Flora kann dem Absturz nichts mehr entgegensetzen, auch ihr Leben steht auf wackligen Beinen...

 

Dieses Debüt der Südafrikanerin Ameera Patel beschreibt nicht nur die Sprachlosigkeit innerhalb einer Familie und deren Auswirkungen, sondern erlaubt auch Einblick in verschiedene Milieus einer südafrikanischen Großstadt. Immer wieder erzählt ein anderes Mitglied der Familie und des Personals seine ganz persönliche Geschichte und Sichtweise.

 

Jens Henrik Jensen, "Oxen. Das erste Opfer" 

ISBN 978-3-423-26158-6, dtv premium, 464 Seiten, 16,90 Euro

 

Hochspannung aus Skandinavien - diesmal aus Dänemark.

 

Der mehrfach für seine Tapferkeit ausgezeichnete traumatisierte Kriegsveteran, Niels Oxen, versucht als Aussteiger im Wald Ruhe zu finden. Auf einer nächtlichen Erkundungstour wird er Zeuge eines grausamen Verbrechens im Schloss eines Ex-Diplomaten. Er gerät unter Mordverdacht. Um einer Verhaftung zu entgehen, muss Oxen handeln und erneut kämpfen. Zusammen mit der  Geheimagentin, Margrethe Franck, kommt er auf die Spur einer mächtigen Geheimorganisation...

 

Klasse Krimi mit allen Gänsehaut-Zutaten und Auftakt zu einer Oxen-Serie.